Das Gräberfeld in der Bronzezeit und Eisenzeit

In der Bronzezeit (2000–700 v. Chr.) und in der frühen vorrömischen Eisenzeit (700–500 v. Chr.) bestatteten die Menschen weiterhin ihre Toten auf dem Gräberfeld Stühren. Wahrscheinlich gehörte es in der älteren Bronzezeit sogar zu den größten Gräberfeldern Norddeutschlands.

In direkter Nachbarschaft zum Gräberfeld lebten in der Bronzezeit Menschen. Reste eines Hauses und von Vorratsspeichern beweisen dies. Die Siedlungs- und Grabfunde zeichnen ein Bild vom Leben in der Bronze- und Eisenzeit.

Wie sah das Gräberfeld in der Bronze- und Eisenzeit aus?

Karte: M. Wesemann

Dieses Bild zeigt, wie das Gräberfeld in der Bronzezeit möglicherweise aussah. Die Grabhügel erhoben sich am östlichen Ufer des Klosterbachs. Im Vordergrund ist eine Leichenverbrennung auf einem Scheiterhaufen zu sehen. Im Hintergrund ist das Haus und einer der Vierpfostenspeicher zu erkennen.

Zeichnung: W. Hein

Wie sahen die Gräber in der Bronze- und Eisenzeit aus?

Am Anfang der Bronzezeit legte man die Toten in Hügelgräbern zur Ruhe. Im Laufe der Bronzezeit änderten sich die Bestattungssitten. Die Verstorbenen wurden nun auf Scheiterhaufen verbrannt. Den Leichenbrand bestattete man entweder in Urnen oder in Gruben. Diese Bestattungsformen behielt man auch in der vorrömischen Eisenzeit bei.

Zeichnung U. Deppe

Hügelgrab

Diese Zeichnung zeigt einen typischen Aufbau eines Grabhügels der Bronzezeit. Häufig wurden die Toten in Baumsärgen mit Grabbeigaben wie Schmuck, Waffen und Werkzeug bestattet. Über dem Baumsarg schüttete man einen großen künstlichen Hügel auf. Spätere Generationen nutzen die Hügel oft für weitere Bestattungen, wie hier die Urnenbestattung.

Brandgrubengräber

Bei Brandgrubengräbern wurden die Verstorbenen auf einem Scheiterhaufen verbrannt. Der Leichenbrand und die Grabbeigaben, wie z. B. die Bronzespirale, sammelte man auf und legte sie in einer Grube nieder. Insgesamt 46 Brandgrubengräber sind bis heute in Stühren erfasst.

Rechts sind zwei Brandgrubengräber aus Stühren zu sehen.

Foto: O. Knof
Bronzespirale, Bronze, Stühren Landkreis Diepholz, 1100–700 v. Chr. (Foto: O. Knof)

Im rechten Grab wurde diese Bronzespirale gefunden. Zusammen mit der Spirale wurden auch menschliche Knochen entdeckt. Untersuchungen zeigen, dass die verstorbene Person auf einem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Sie war zwischen 25 und 50 Jahre alt. Das Geschlecht konnte nicht festgestellt werden.

Urnengräber

Bei Urnengräbern wurde der Leichenbrand nach der Verbrennung oft zusammen mit Grabbeigaben in eine Urne gelegt. Diese Urne wurde 1955 zufällig von Wilhelm Siemer zusammen mit einem kleinen Gefäß und Leichenbrand gefunden. Sie galt lange als verschollen und wurde 2024 bei der Recherche zu dieser Ausstellung wiederentdeckt.

Harpstedter Rautopf, Keramik, Stühren, 700–500 v. Chr. (Foto: H. Siemer).

Zusammen mit der Urne wurden die Knochen zweier Personen gefunden. Untersuchungen* zeigen, dass beide zwischen 25 und 40 Jahre alt waren. Eine Person war wahrscheinlich weiblich. Das Geschlecht der anderen Person ist nicht bestimmbar.

Wie lebten die Menschen in der Bronze- und Eisenzeit?

Innovation und Tradition

Das namensgebende Material der Bronzezeit ist eine Legierung* aus Kupfer und Zinn. Beide Rohstoffe mussten über weite Wege beschafft werden. Man stellte Werkzeuge, Schmuck und Waffen aus dem neuen Material her. Gleichzeitig verwendete man weiterhin auch altbewährte Materialien wie Feuerstein.

*Mischung verschiedener Metalle, die durch Zusammenschmelzen entsteht.

Um zu zeigen, wie das Beil, der Dolch und der Pfeil in der Bronzezeit aussahen, haben wir die Archäotechnikerin Elena Moos für den Pfeil und den Archäotechniker Thorsten Helmerking für das Beil und den Dolch gebeten Nachbildungen herzustellen.

Nachbildung des Bronzedolches von Stühren. Der Dolch steckte in einer Holzscheide, deren Reste bei der Ausgrabung gefunden wurden.
Nachbildung des Bronzebeils von Stühren. Als das Randleistenbeil in den 1970er Jahren entdeckt wurde, waren noch Reste der Holzschäftung und der Bronzedrahtumwicklung erhalten.

Bronzeguss (Video)

Alltag in der Bronzezeit

Die Herstellung von Alltäglichem wie Brot oder Kleidung verlangte viel Geduld und Können, wie diese Funde aus dem Gräberfeld zeigen. Mit Mahlsteinen mahlten die Menschen Getreide wie Gerste und buken daraus Brot in Lehmbacköfen. Flachs und Schafwolle wurden per Hand zu Garn gesponnen, um sie zu Kleidung weiterzuverarbeiten.

Mahlstein, Felsgestein, Stühren Landkreis Diepholz, 700–500 v. Chr. (Foto: N. Miethig)
Spinnwirtel, Keramik, Stühren Landkreis Diepholz, 700–500 v. Chr. (Foto: N. Miethig)

Handspinnen (Video)

Wohnen in der Bronzezeit

In Stühren wurden Spuren eines Hauses und mehrerer Vierpfostenspeicher gefunden. Die Speicher dienten zur sicheren Lagerung von Lebensmitteln.

Foto: F.-W. Wulf

Rechts ist das Drohnenfoto der Hausspuren zu sehen. Die sechs Pfostenlöcher und die Außenwände sind gut zu erkennen. Im Südosten befand sich offenbar der Hauseingang.

Zeichnung: W. Hein

Die Rekonstruktionszeichnung zeigt, wie das Haus in der Bronzezeit wahrscheinlich aufgebaut war und ausgesehen hat.

Insgesamt wurden die Spuren von drei Pfostenspeichern in Stühren gefunden. Sie dienten zur sicheren Lagerung von Lebensmitteln.

Zeichnung: W. Hein