Das Gräberfeld im Neolithikum
Das Gräberfeld bestand in der späten Jungsteinzeit (2800–2200 v. Chr.), auch Neolithikum genannt*, aus mindestens sieben Hügelgräbern. Üblicherweise wurden die Toten einzeln bestattet. Sie wurden in der sogenannten Hockerstellung mit angewinkelten Armen und Beinen auf der Seite liegend niedergelegt. Oft gab man ihnen Gefäße, Steinbeile und Flintklingen mit ins Grab. Ein Kreisgraben umgab das Grab. Über der toten Person wurde ein Erdhügel aufgeschüttet.
Die Grabfunde und die jungsteinzeitliche Siedlung Hunte 1 geben uns einen Einblick in das Leben früher Bäuerinnen und Bauern in unserer Region.
*(von altgriechisch νέος néos = neu/jung, λίθος líthos = Stein)
Wie sah das Gräberfeld im Neolithikum aus?
Dieses Bild zeigt, wie das Gräberfeld in der späten Jungsteinzeit möglicherweise aussah. Auf der Hochgeest reihten sich die Grabhügel. Unterhalb des Gräberfeldes floss der heutige Klosterbach in seinem ursprünglichen Flussbett Richtung Nordsee. Ein mit Karren befahrbarer Weg führte wohl neben dem Gräberfeld entlang.
Wie sah ein Grab im Spätneolithikum aus?
Lackabzug eines Grabes des Spätneolithikums, Donstorf, Landkreis Diepholz, 2800–2200 v. Chr.
Da die Menschen ihre Toten einzeln bestatteten, nennt die Forschung die Kulturgruppe in Nordwestdeutschland Einzelgrabkultur.
Ein Lackabzug ist ein Verfahren, um einen Grabungsbefund zu erhalten. Für diesen Lackabzug wurde die oberste millimeterdicke Erdschicht des Grabes mit Lack getränkt und auf einer festen Unterlage fixiert. Er ist im Mitmach-Labor des Forums Gesseler Goldhort zu sehen.
Funde aus einem neolithischen Hügelgrab
Diese Grabbeigaben stammen aus einem der Hügelgräber in Stühren. Typisch für die Einzelgrabkultur sind der S-förmig geschwungene Becher, die Feuersteinklinge und das Steinbeil. Die Amphore verweist auf Beziehungen nach Mitteldeutschland.
Rekonstruktionen
Um zu zeigen, wie die Werkzeuge in der Jungsteinzeit verwendet wurden, haben wir die Archäotechnikerin Elena Moos gebeten, vom Beil und von der Flintklinge nutzbare Rekonstruktionen herzustellen.
Die Nachbildung der Flintklinge hat einen mit Fichtenwurzel umwickelten Holzgriff. Die Klinge ist mit Birkenpech eingeklebt. Vorbild für die Rekonstruktion ist ein Fund von der spätneolithischen Fundstelle Vinelz in der Schweiz.
Für die Ausstellung hat Elena Moos zwei Rekonstruktionen angefertigt. Eine Rekonstruktion hat eine stumpfe Klinge, die die Besuchenden gefahrlos in die Hand nehmen konnten. Die Zweite hat eine scharfe Klinge. Sie wurde nur bei Führungen gezeigt. Feuersteinklingen können problemlos Leder durchschneiden.
Das Beil ist aus Serpentinit. Der Schaft aus Esche. Der Schaft wurde nach einem Holzfund aus neolithischen Siedlung Hunte 1 im Landkreis Dümmer rekonstruiert.
Wie lebten die Menschen im Neolithikum?
Hunte 1 als Beispiel einer jungsteinzeitlichen Siedlung
Die Siedlung lag am Ufer der Hunte nördlich des Dümmers im heutigen Landkreis Diepholz. Sie wurde von ca. 3200–2000 v. Chr. bewohnt. Aktuelle Forschungen zeigen, dass die Siedlung weitaus größer war, als frühere Grabungen vermuten ließen. Da vor allem organische Materialien wie Knochen und Holz gut erhalten geblieben sind, bekommen wir einen Einblick in das Alltagsleben.
Ernährung in der Jungsteinzeit
Bewohnerinnen und Bewohner von Hunte 1 bauten auf ihren Äckern Einkorn, Emmer und Zwergweizen an. Sie sammelten Haselnüsse, Himbeeren, Brombeeren und schwarze Holunderbeeren. Als Nutztiere hielten sie Rinder, Schweine und Schafe/Ziegen. Außerdem jagten und fischten sie. In Keramiktöpfen bewahrten sie Lebensmittel auf und kochten auf offenem Feuer.
Wasserversorgung
Der Zugang zu Trinkwasser ist für eine Siedlung überlebenswichtig. Dieser Brunnen wurde zusammen mit fünf weiteren Brunnen 2017 bei Stemshorn gefunden. Er wurde mithilfe der 14C-Methode* um 2500 v. Chr. datiert und ist aus Flechtwerk errichtet. Die dazugehörige Siedlung wurde noch nicht entdeckt.